Das komplette Interview mit Sabaton findet ihr in der METAL HAMMER-Märzausgabe 2022, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!
MH: Eine starke Geschichte auf THE WAR TO END ALL WARS ist die der Harlem Hellfighters. Großartig, dass ihr sie mit einem Song ehrt. Sie sind gefeierte Kriegshelden, doch die Geschichte hat auch ihre Schattenseiten; immerhin gab es jenes Regiment nur, weil sich viele weiße Amerikaner weigerten, mit Afroamerikanern zu kämpfen. Auch nach ihrer Heimkehr erfuhren sie rassistische Anfeindungen. Warum haben es diese Punkte nicht in den Song geschafft?
JB: Bei jedem Stück, das wir machen, fühlt es sich an, als müssten wir die Hälfte der Hintergrundgeschichte weglassen. Wir schreiben drei- bis fünfminütige Heavy Metal-Nummern, und speziell bei diesem heftigen Song wollten wir uns auf die brutale Zeit konzentrieren, die sie in den Schützengräben zubrachten. Glücklicherweise haben wir die Möglichkeit, durch filmische Erzählweise gemeinsam mit Yarnhub (siehe Kasten – Anm.d.A.) die Lücken zu füllen, die wir nicht abdecken können. Denn das ist ein echtes Problem: Es gibt verschiedene Aspekte einer Geschichte – wie erzählt man sie am besten? Dieser Blickwinkel, die Rückkehr oder dieser Aspekt, dass viele US-amerikanische Soldaten nicht mit ihnen gemeinsam kämpfen wollten – das ist auf emotionaler Ebene ein komplett anderer Song, eine Ballade vielleicht, oder ein langsames, wuchtiges Stück. Es ist schwierig, und das gilt für viele Stücke.
MH: Auf musikalischer Ebene sticht der Refrain heraus, weil du darin sehr, sehr tief singst – man könnte sich fast vorstellen, wie Johan Hegg das interpretiert.
JB: (lacht) Ja vielleicht. Amon Amarth finde ich natürlich klasse. Dabei stehe ich nicht sonderlich auf härteren Metal. Ich mag auch manches aus dem brutaleren Metal-Bereich, aber nur in kleinen Dosen und nicht jede Band. Klar, sowas wie Pantera oder Sepultura früher. Amon Amarth sind technisch betrachtet zu hart für mich, aber ich mag sie trotzdem; wahrscheinlich wegen der Art und Weise, wie sie mit Melodien umgehen. Es ist eingängig, und ich schäme mich nicht zu sagen: Ich mag eingängige Musik. Wer Sabaton kennt, versteht das vielleicht. (lacht)
Kontroversen um Sabaton
MH: Ein weiterer Song von THE WAR TO END ALL WARS, der mehrere Ebenen hat, ist ‘Stormtroopers’. Ein starkes Stück, mächtig, heroisch und geradeaus – perfektes Sabaton-Material. Mit dem Wissen aber, dass die deutschen Sturmtruppen politisch vereinnahmt und zu Vorläufern der SA und SS wurden, fühle ich mich als Deutscher dahingehend zunächst zu einem gewissen Grad unwohl. Denke ich mich hier zu tief hinein?
JB: In diesem Song geht es um die technische Entwicklung und die Evolution der Kriegsführung. Er ist ein Querverweis auf ‘The Future Of Warfare’ von THE GREAT WAR, wo die Panzer vorfahren; und nun rücken die Sturmtruppen nach. Es ist der coolste Name dieser Art von Infanterie – wir hätten den Song auch ‘Jaegers’ nennen können, wie die österreichisch-ungarische Variante; bei den Italienern nannte man sie Arditi. Alle Seiten haben mit dieser Weiterentwicklung der Kriegstechnik experimentiert. Dazu kommt: So viele Fans haben uns, mal zum Spaß, mal im Ernst, gebeten, einen ‘Star Wars’-Song zu machen. Also: Ran mit den Sturmtruppen! Tiefer in die politischen Verflechtungen einzutauchen, gehört nicht zum Sabaton-Teil. Ich bin natürlich interessiert an Geschichte und Politik; aber was wir tun und singen, ist ohnehin schon kontrovers genug, sodass wir uns aus Politik und Religion schön raushalten.
Alles über die Gründe der erneuten Thematisierung des Ersten Weltkriegs, was Brodén mit Battle Beast und Beast in Black verbindet sowie Hintergründe zu den aufwändigen Videoclips von Yarnhub findet ihr im Titel-Interview der METAL HAMMER-Märzausgabe.
Wir haben Sabaton-Frontmann Joakim Brodén zur Wertung diverser METAL HAMMER-Titelseiten gebeten. Das spaßige Ergebnis könnt ihr hier betrachten:
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