
Wenn man Slash und Myles Kennedy in ein Studio einschließt, hat das ungefähr dieselben Auswirkungen, als wenn Roger Federer und Rafael Nadel im Doppel zusammenspielen – da sind höchste Qualität und beste Unterhaltung garantiert. Auf dem neuen Album LIVING THE DREAM macht das dynamische Duo genau dort weiter, wo WORLD ON FIRE 2014 endete: Zwischen bluesig-drahtigem Riffing, sleaziger Lässigkeit und Hard Rock-Hymnenhaftigkeit tobt sich mit Kennedy ein Meister seines Fachs am Mikro aus. Der 48-Jährige besitzt genau das richtige Gefühl, dem (sehr druckvoll produzierten) Material wahlweise Wucht, Elan oder Melancholie zu verleihen.
Und über den Ton von Slash muss man nicht sprechen – der ist unverwechselbar, unvergleichlich, unerreicht. Zwei Kritikpunkte gibt es aber dennoch: Kennedy muss aufpassen, dass er nicht überdreht und an zu vielen Scheiben beteiligt ist (Alter Bridge, Slash, solo). Man kann sich auch am Genius satthören. Und: Am spannendsten wird LIVING THE DREAM, wenn Slash seine Solopfeile abschießt. Dann springt nämlich der Funken Spontaneität über, der phasenweise fehlt. Wenn zwei Großmeister aufeinandertreffen, kommt eben mitunter nicht nur Höchstleistung, sondern auch Routine auf.