Es ist mehr als gut möglich, dass die britischen Genre-Veteranen mit ihrem nunmehr zehnten Studiowerk ihren bislang besten Wurf vorlegen. Der mittlerweile dritte Soundcheck-Sieg im METAL HAMMER spricht hierbei eine eindeutige Sprache. Dabei hatte die seit 1995 in konstanter Besetzung riffende Formation vor vier Jahren zum ersten Mal einen Abgang zu verkraften: Bassist Martyn Millard schied freundschaftlich aus der Band aus, woraufhin Orange Goblin ihren engen Vertrauten Harry Armstrong (ehemals bei Hangnail und Decomposed aktiv) ins kalte Wasser warfen – der sich seinerseits voll in seinem Element wiederfand und ganz allgemein ein fähiger Allround-Musiker ist.
Und das sind Gitarrist Joe Hoare, Schlagzeuger Chris Turner und Frontmann Ben Ward ebenfalls (Letzterer ist im echten Leben übrigens Booker und hat im Dezember 2016 mit einer Crowdfunding-Kampagne 90.000 Britische Pfund für die kurz vor Weihnachten gefeuerte Classic Rock UK-Belegschaft gesammelt – Anm.d.A.). Deswegen stellt sich auf SCIENCE, NOT FICTION das vermeintliche Grundproblem der Stoner-Schublade gar nicht. Denn das Quartett ist eigenen Angaben zufolge nun schon so lange im Geschäft, gereift und abgeklärt, dass ihm bewusst ist: Es kommt nicht nur auf die donnernden Riffs und eine fette Dröhnung an, sondern zu einem nicht unerheblichen Anteil aufs Songwriting.
🛒 SCIENCE, NOT FICTION bei AmazonSo entflammt der schmissige Opener ‘The Fire At The Centre Of The Earth Is Mine’ unmittelbar Bock auf Luftgitarrespielen. Daraufhin meint man beim irgendwo zwischen Bokassa und Queens Of The Stone Age im ‘Go With The Flow’-Modus changierenden ‘(Not) Rocket Science’, es kann nicht besser werden. Doch dann macht der traditionelle Stoner-Stampfer ‘Ascend The Negative’ Mut und regt dazu an, positiv zu denken. Hernach wird es beim sieben Minuten umfassenden ‘False Hope Diet’ sowie dem sich direkt anschließenden Sechsminutenbrett ‘Cemetary Rats’ ausufernder – es stellt sich die Frage, woher man auf die Schnelle Sportzigaretten kriegt. Und das direkt in die Tanzbeine fahrende ‘The Justice Knife’ hätten Red Fang sicher gerne im eigenen Kompositions-Repertoire.
Orange Goblin führen die Güte des vorliegenden Liedguts unter anderem auf die entspannte Aufnahmeatmosphäre in den abgeschiedenen, in einem hübschen Dorf in der Grafschaft Oxfordshire gelegenen Woodworm Studios zurück. Produzent Mike Exeter (der zuvor schon solch illustren Kapellen wie Cradle Of Filth, Judas Priest oder Black Sabbath einen feinen Sound gezimmert hat) erledigte mit seinen erfahrenen Fingern an den Reglern den Rest und verhalf SCIENCE, NOT FICTION zum vollkommen verdienten Album des Monats-Titel.
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