22. November 2022: Huxleys Neue Welt, Berlin
Wenn es ein Fazit dieses Abends gibt dann: Roggnrohl lebt. Aber der Reihe nach. Überpünktlich geht das britische Trio Tigercub auf die Bühne und sieht sich einer noch überschaubaren Menge gegenüber. Der vergleichende Gedanke „Hm, das hat aber doch schon irgendwas von Muse“ lässt sich über die komplette halbe Stunde Spielzeit nicht ganz abstreifen, was aber natürlich nichts Schlechtes sein muss. Allerdings fehlen im Vergleich die unverschämt eingängigen Elemente. Im besten Sinne des Wortes solide.
Ritual-Rock mit psychedelischer Note
Wesentlich energiegeladener geht es dann bei Green Lung zu. Das ebenfalls aus Großbritannien stammende Quartett geht mit dem mitreißenden Doppelschlag ‘The Harrowing’ und ‘Woodland Rites’ als Opener gleich in die Vollen, was sich in entsprechenden Reaktionen niederschlägt. So wenig dieser Haufen optisch zusammenpassen mag, um so wuchtiger das, was da als Sabbath/Purple-Huldigung getarnt in knapp 45 Minuten auf das Publikum niederschlägt. „Richtig guter Ritual-Rock“, hat Kollege Thiessies in seiner Rezension zum aktuellen Werk BLACK HARVEST geschrieben. Besser kann man den Nagel nicht auf den vielzitierten Kopf treffen. Gerne für die kommende Festival-Saison einplanen, danke.🛒 BLACK HARVEST bei Amazon bestellen
Gemetzel der Stromgitarren
Auch Auftritte von Clutch haben längst etwas Rituelles. Zumindest wenn man etwa die Huldigungen des mittlerweile gut gefüllten Huxleys heranzieht. Und spätestens bei dem an Setlist-Position zwei ins Rennen gehende ‘The Mob Goes Wild’ wackelt der Boden der altehrwürdigen Spielstätte beachtlich-bedenklich. Apropos Setlist: Auch auf dieser Tour gleicht kein Abend dem anderen.
Hier in Berlin wird das aktuelle SLAUGHTER ON SUNRISE BEACH mit vier Songs vorgestellt, ansonsten pendeln Clutch wie gewohnt zwischen Hits à la ‘X-Ray Visions’ und fantastischen Deep-Tracks wie dem Opener ‘Slow Hole To China’ und dem unfassbar brachialen ‘Unto The Breach’ hin und her. Während Frontmann Neil Fallon charmant durch den Abend leitet und immer mal wieder die Rock-Sau von der Leine lässt, sind seine Mitstreiter tief in ihre Instrumente versunken – was manchmal etwas von einer Zeugniskonferenz im Lehrerzimmer hat. Aber wer so eindrucksvoll seine Führungsposition der aktuellen Rocker-Riege unter Beweis stellt, wie diese vier Herren, der braucht auch keine glitzernden Show-Outfits.—
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