Dark Tranquillity ATOMA

Melodic Death Metal, Century Media / Sony (12 Songs / VÖ: 04.11.)

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Foto: Promo

Es ist hohe Kunst: Bei Dark Tranquillity weiß man seit Jahren, was man bekommt – und doch können die Schweden Album für Album neu begeistern. Die über die Jahre perfektionierte Mischung aus und Reibung zwischen den beiden Polen Melodic Death und Dark Metal funktioniert einfach! Dahingehend bildet ATOMA keine Ausnahme – obschon mit einer gewissen Einschränkung. Auch das elfte Album (das erste mit Rhythmusgitarrist Jens Florén statt dem im März ausgestiegenen Gründungsmitglied Martin Henriksson) zieht seine Faszination aus melancholischen Gothic Metal- und vorwärtsgehenden Death Metal-Elementen.

Das Miteinander aus zackigen Riffs und Gitarrenharmonien, Keyboard-Melodien, Electronica und wunderbar natürlich klingenden Drums funktioniert so prächtig wie Mikael Stannes angriffslustiges Gebrüll und leidender Klargesang. Diesen setzt der Rotschopf auf ATOMA wieder sehr ausgiebig ein, womit Dark Tranquillity das Gewicht fast automatisch auf die melancholische Seite der Waagschale legen. ‘Forward Momentum’ ist pures Leid, in ‘Our Proof Of Life’ kochen die Emotionen zornig hoch (und kulminieren in einem wunderbaren Gitarrensolo), der Titel-Track wirkt beinahe trotzig, ‘Merciless Fate’ kämpferisch verzweifelt, während ‘Clearing Skies’ (einer der besten Songs des Albums) seine aufbauend-aufbrausende Seite nicht verleugnen kann.

Und immer schaffen es die Göteborger, romantisch-verträumte Texte und die schönsten Melodien komplett unkitschig mit dem rockenden Unterbau zu verflechten. Obwohl diese nachdenkliche, dunkle Seite überwiegt, bleibt auf dem elften Studioalbum auch Raum für schroffere Klänge: Der Opener ‘Encircled’ wirkt gehetzt und mystisch zugleich, hinter ‘Neutrality’ verbirgt sich fernab jeglicher Neutralität ein voranpolternder Brecher mit fliegenden Riffs und Gitarren-Licks, ‘The Pitiless’ wird durch tieffrequente Sound-Effekte noch mal eine Stufe dunkler und heavier. Einzig: Das Album braucht ein Stück, bis es zündet. Melancholische Grundstimmung geht vor den schnellen Hit, wenige Songs ragen wirklich heraus. Dieses Gleichgewicht allerdings haben die Schweden bei größerer Hit-Dichte schon treffsicherer hinbekommen, sodass ATOMA toll, wenn auch „nur“ guter Dark Tranquillity-Standard ist; aber wer könnte sich darüber beschweren?


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